Einstweilige Verfügung gegen DJI Innovations

DJI vs Colin Guinn

Am Morgen des 22. Januars diesen Jahres war in der Welt von DJI, einer von Chinas führenden UAV Herstellern für den privaten Sektor, noch alles in Ordnung. Doch in Texas machte sich ihr ehemaliger CEO für den Bereich Nordamerika, Colin Guinn, zu einem Gerichtstermin vor dem 200. Bezirksgericht von Travis County, Texas auf.

Colin Guinn war bis Dezember letzten Jahres CEO, genauer gesagt Chief Innovations Officer, bei DJI North America. DJI North America ist der Ableger des chinesischen Herstellers Shenzhen Da-Jiang Innovations Science and Technology Co., Ltd (DJI Ltd). DJI ist einer der führenden Hersteller von UAV und Mulitrotordronen für den zivilen Hobby- und Überwachungsmarkt und hat sich inzwischen als weltweiter Marktführer für kleine, unbenannte Trägersystem für Kamerasysteme etabliert und richtet sich sowohl an Profis als auch Hobbyisten – unter anderem mit dem DJI Phantom. Unter dem Namen DJI North America operiert DJI seit 2006 am nordamerikanischen Markt.

Colin Guinn, vormals Besitzer einer kleine Marketingfirma namens „Build Design Print“, stiegt 2010 bei DJI North America ein. Dort war man damals auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten DJI auf dem US Markt zu etablieren und ein Netzwerk von Verkäufern aufzubauen. In Colin Guinn schien genau dieser Mann gefunden worden zu sein. Seine Youtube- und Vimeointerviews erfreuen sich ansehnlicher Zuschauerzahlen und den gelernten Marketingler, den geborenen Verkäufer, nimmt man dem durchtrainierten Sunnyboy ohne Frage ab. Das Studium der Communication and Media Studies an der University of Texas, welches er als Bachelor of Arts abgeschlossen hat, strahlt er aus jeder Pore aus.

Aber grade diese etwas grossspurige Art hat ihm von jeher in der Szene nicht nur Freunde eingebracht. Viele empfinden ihn als arrogant und überheblich, sahen auf die Dauer in ihm nicht den geeigneten Kandidaten um ein Vertriebs- und Supportnetzwerk in Nordamerika aufzubauen. Insbesondere der letzte Punkt war bisher ein wirklicher Wehmutstropfen für Käufer und Wiederverkäufer der Multicopter von DJI in Nordamerika, mussten sie doch Reklamationen nach China zurücksenden und fühlten sich häufig allein gelassen.

Erste Brüche zwischen Colin Guinn und DJI wurden offenbar, als sich DJI für LA und nicht Guinns Wahlheimat Austin als Standort für sein Supportcenter in den USA erwählte. Um die Kundenbedürfnisse und Wünsche der Zwischenhändler ohne längere Wartezeiten direkt zu beantworten, hatte DJI eine Handvoll seiner besten Supportmitarbeiter nach LA geflogen um dort vor Ort die zukünftigen Servicekräfte zu schulen. Das Supportcenter kümmert sich seit 2013 um die Kundenbelange und konnte die Supportlücke zwischen DJI und dem nordamerikanischen Markt schliessen.

Der erste Höhenpunkt des Konfliktes zwischen Colin Guinn und seinem Arbeitgeber wurde dann Mitte Dezember 2013 erreicht. Ohne offizielle Verlautbarung oder Statement von einer Seite wurde Colin Guinn von DJI entlassen. Eine derartige Trennung wird natürlich nicht ohne Grund erfolgt sein, jedoch hüllen sich alle Beteiligte dazu bisher in Schweigen. Wer allerdings glaubte die Geschichte sei damit beendet wurde im Januar schlussendlich eines Bessern belehrt.

An eben jenem 22. Januar nämlich erwirkten Colin Guinn und seine Anwälte vor dem 200. Bezirksgericht von Travis County, Texas eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf von DJI Produkten über das von Guinn aufgebaute Vertriebsnetzwerk in den Vereinigten Staaten. DJIs Vertreter versuchten direkt dem entgegen zu wirken, allerdings blieben ihre Bemühungen bis dato erfolglos.

Colin Guinns Aktion gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber wirken nicht nur auf uns Europäer befremdlich. Erscheint uns das us-amerikanische Rechtsverständnis häufiger einmal etwas merkwürdig, so sorgt Guinns Klage und die einstweilige Stattgabe selbiger auch in den USA für Verwunderung.

Colin Guinn in seiner Funktion als CIO wird direkt an den Umsätzen von DJI North America beteiligt gewesen sein und mit seinem Ausscheiden aus der Firma ein angemessene Abfindung erhalten haben – sofern er nicht gegen Vertragsstatuten verstossen oder sich etwas gravierendes zu schulden hat kommen lassen. Seine Klage vor dem Bezirksgericht scheint auch genau darauf abzuzielen. Guinn behauptet, dass nur dank seiner Arbeit DJI über ihr Vertriebsnetzwerk verfügt und ihm durch seine Entlassung Verdienste verwehrt, die ihm vertraglich zustehen.
Um sich vor weiteren Verlusten zu schützen lässt er also einen Grossteil dieses Netzwerkes lahm legen, bis ihm entweder vor Gericht oder durch eine Einigung ausserhalb diesen, eine Kompensation der Verluste zugestanden wird. Fast meint man hier eine legale Erpressung zu vermuten.
Durch das Urteil ist es nun in den USA 31 Händler nicht gestattet neue Bestellungen bei DJI einzureichen und diese in die USA zu importieren. Diese 31, von Guinn beworbenenUnternehmen dürfen bis auf weiteres nur ihren Lagerbestand an DJI Produkten verkaufen.

Explizit von diesem Urteil ausgenommen sind allerdings all jene Händler, die bereits vor Guinns Wirken für DJI Produkte in den USA vertrieben haben. Geschäfte, wie beispielsweise Aerial Media Props (AMP), dürfen wie gewohnt weiterhin bei DJI bestellen und verkaufen.

Aus Kennerkreisen und einschlägigen Foren ist zudem zu lesen, dass diese Verfügung sich im Endeffekt recht positiv für DJIs Position am US Markt auswirken könnte. Bisher gab es nämlich wenig bis keine Reglementierungen wer sich alles als offizieller DJI Händler bezeichnen durfte. Mit einer Neustrukturierung in Zukunft dürfte es ein leichtes sein, dieses Versäumnis zu beheben.

Inzwischen hat DJI zu der ganze Lage auf der firmeneigenen Homepage dji.com folgendes verlautbaren lassen:

„We would like to clarify that a recent temporary injunction limiting DJI’s ability to work with selected dealers in North America does not prevent these dealers from providing sales and support of DJI products to any of their customers, nor does it prevent dealers not identified in the temporary injunction from conducting normal business operations. This legal action was taken by a former associate for issues linked to his recent departure from DJI. We are confident that the matter will be resolved soon.
DJI is a global firm and we are continuing to provide creators and innovators with first-class products and customer service support that has been the core of our business since our firm was established in 2006. We are incredibly grateful for the support that we have received from our customers and will continue helping our customers in North America and beyond push forward the future of possible.“

DJI weißt explizit darauf hin, dass die einstweilige Verfügung sich in keiner Weise negativ auf ihre Geschäfte und den Support in Nordamerika auswirken wird und sie zuversichtlich sind, die Problematik in Bälde aus der Welt zu schaffen.

Für den japanischen, europäischen und insbesondere deutschen Markt mit der DJI Vertretung DJI GmbH EUROPE im bayrischen Schondra hat die vorläufige Entscheidung des texanischen Gerichts übrigens keinerlei Auswirkungen. DJI wird auch in Europa den Support weiter ausbauen und in Bälde zum Support via Internet eine Service Hotline wie in den Vereinigten Staaten und China einrichten.

Quellenangabe:

DJI.com
http://www.multirotorforums.com/showthread.php?15717-colin-guinn-booted-from-DJI
http://www.linkedin.com/in/colinguinn

 


Über Daniel Wolf 231 Artikel
Hi ich bin Daniel. Schön das Ihr da seid! Ohne Euch macht es hier doch nur halb so viel Spaß ;) Kurz zu meiner Person. Ich betreibe das RC-Quadrocopter Magazin nun seit über 3 Jahren und kombiniere meinen JOB mit dem Hobby. Neben der Quadrocopter Fliegerei und dem Magazin bin ich, Autor, Webworker und leite eine Werbeagentur. Ich hoffe, ich biete Euch mit dem Magazin den Stoff, den Ihr gebrauchen könnt. Und falls nein dann unbedingt mitteilen :)

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