X-Cam Kong Copter 450 im Test & Aufbau

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Über einen deutschen Ebayhändler bestellt, bekam ich ein schlichtes Paket – kaum zu glauben, dass darin ein vollständiger Rahmen der 450iger Größe enthalten sein soll. Doch der Inhalt enttäuscht nicht. Grundplatten, Landegestell sowie zweiteilige Motorhalterungen, Schrauben und Kleinteile, alles ist vorhanden. Die Aluausleger sind massiv, hier wurde nicht auf dünnwandige Materialien gesetzt. Gewichts-technisch betrachtet, erscheinen die Rohre etwas überdimensioniert, falls sich dieser Eindruck auch bei der folgenden Flugerprobung bestätigen sollte, wäre ein Umstieg auf CFK-Rohre leicht realisierbar.

Erster Eindruck und Unboxing

Die obere und untere Grundplatte sind gratfrei gefräst und mit allen nötigen Bohrungen versehen. Das Plastik, dass sowohl beim Landegestell als auch bei den Motorhalterungen Verwendung findet, erscheint auch robust und sauber verarbeitet.

Bevor ich einen Rahmen aufbaue, hat die Erfahrung gezeigt, dass ein überlegtes Platzmanagement vorab äußerst sinnvoll ist. So können unnötig lange Kabel verhindert und mögliche Probleme frühzeitig erkannt werden. Bei diesem Rahmen zeigte das erste provisorische Zusammenstecken zwei schwere Kritikpunkte auf:

Die Auslegerrohre werden in zwei Aufnahmen geklemmt. Die Klemmung erfolgt durch jeweils vier Schrauben, die von der oberen Grundplatte durch die Klemmen weiter durch die untere Grundplatte und dort in eine Sechskantmutter verlaufen. Dies hat zwar den Vorteil, dass für dass Verschrauben von den beiden Grundplatten keine zusätzlichen Schrauben benötigt werden, hat aber auch den Nachteil, dass, wenn man die obere Grundplatte abnehmen will, man auch die Auslegerrohre aus ihrer Verankerung löst. Da die Rohre nur auf der Motorträger Seite einen Verwindungsschutz besitzen, bedeutet das Abnehmen auch, dass die Motoren wieder aufs neue exakt horizontal ausgerichtet werden müssen.

Die massiven Auslegerrohre sind innerhalb der beiden Grundplatten verklemmt. Durch ihren Durchmesser und die damit verbundenen Klemmen bleibt wenig Platz für Elektronikeinbauten. Die Regler z.B. auf der Centerplate zu verbauen, wird hierdurch unmöglich.

Detaillösungen

Quanum Power Distribution Board

Aufgrund des Platzmangels habe ich mich auch für ein Power Distribution Board mit dem gewissen Extra entschieden. Das Qaunum Board bietet jeweils 8 plus und minus Lötpunkte wobei hier auch der Akku seinen Anschluss finden muss. Das Board hält einer Belastung von 80A stand. Das Board beherbergt außerdem zwei Spannungsregler. Der erste liefert konstant 12Volt während der zweite zwischen 3-22 Volt einstellbar ist. Beide sind mit bis zu 5 Ampere belastbar. Die Spannungsregler sind allerdings nur abwärts regelnd einzusetzen. Die maximale Eingangspannung beträgt 22Volt, was einem sechs-zelligen Lipo Akku entspricht.

Seit ich Dji verwende und den damit verbundenen GPS-Mount, habe ich jedes Mal um die filigranen Befestigung, die oft an einer exponierten Stelle ihren Platz findet, Angst. Vor einiger Zeit habe ich eine solche augenscheinliche Alternative der Firma Tarot bestellt. Der gelieferte Alumount wackelte und war nicht ohne ein großes Sicherheitsrisiko verbaubar.

Nun habe ich eine vom Funktionsprinzip her ähnliche Mechanik bei Ebay verwendet. Diese ist präzise gefertigt und enthält außerdem eine Aufnahme mit Madenschrauben-Klemmung, die ein Ausrichten der Antenne deutlich erleichtert. Ein 3M Klebepad liegt auch bei.

Produkt Link (Ebay): GPS Klapphalter

Antriebssetup

Tiger Motors ist kein unbekannter Name in der Multicopter Szene. Effizienz und Preis-/Leistungsverhältnis werden vielerorts gelobt. Ich entschied mich daher, auf die hochwertigere MT-Serie zurückzugreifen. Vier MT 2814-10 von aerolab.de fanden ihren Weg zu mir. Sorgfältig verpackt kommt jeder Motor einzeln, inklusive Propeller Mitnehmer und 60cm langen Anschlusskabeln. Diese sind bereits fertig mit einem Goldstecker verlötet. Die langen Kabel ersparen einem nicht nur nervige Lötarbeiten beim verlängern der Kabel, sie schließen auch dabei mögliche Fehlerquellen präventiv aus. Die gewählten Motoren können sowohl mit 3S Lixx, als auch mit 4S betrieben werden. Im direkten Vergleich mit ähnlichen Multicopter Setups der 450iger Klasse, sind die Motoren mit Sicherheit großzügig ausgelegt. Dies zeigt sich auch, wenn man sich die Technischen Daten und errechneten Werte bei aerolab.de genauer ansieht. Die in schlichtem schwarz und silber gehaltenen Motoren passen nahezu saugend in die Motorträger. Beim Drehrichtungscheck treten keine Störgeräusche auf. Die Motoren laufen „smooth“, auch das Anlaufverhalten lässt keine Wünsche offen.

Bedingt durch den Platzmangel auf der Centerplate, wollte ich die Regler in den Auslegern verbauen. Premium Modellbau vertreibt speziell für diesen Zweck eine rundliche ESC-Serie.

Die Sunrise Slim Brushless Regler sind mit der BLHeli Software geflasht und können in einem Viererpaket bestellt werden. Da die Kühlung innerhalb der Alurohre suboptimal ausfallen dürfte, wählte ich zur Sicherheit die 30Ampere Variante. Die Lieferung erfolgte umgehend und so konnte der Löt-/Verkabelungsmarathon beginnen.

ESC von Premium Modellbau in den Armen verbaut

Aufbau

Die untere Grundplatte findet schnell festen Stand auf dem großen Landegestell, dann können auch schon die ersten Innereien eingeklebt werden. Das Naza findet genau im Zentrum der 4 Motoren seinen Platz. Das Powerdisturbingboard bringe ich mit Nylonschrauben in bereits passende Bohrungen direkt darüber, auf der Unterseite der oberen Centerplate Empfänger an. PMU und Empfänger finden auf dem langezogenen Teil der Centerplate, zwischen den vertikalen Plastikabstandshaltern, die die obere und untere Centerplate verbinden, ihren Platz. Die filigranen Patchkabel und die Stromversorgung für das Brushlessgimbal werden mit schützendem Gewebeschlauch versehen. Dies bringt auch gleichzeitig eine saubere Kabelführung mit sich, da verschiedene Kabel in einem Gewebeschlauch gebündelt werden. Das Gimbal benötigt 12Volt, die 5Ampere des dafür vorgesehenen UBEC sollten genügen. Damit das Gimbal auch abgenommen werden kann, verbaue ich einen kleinen Stecker zwischen Gimbal und Rahmen. Das Gimbal wird mit zwei Aluabstandshaltern und der beiliegenden Entkopplung verschraubt. Die Abstandshalter lassen das Gimbal tiefer hängen, so ist später kein störendes Landegestell im Bild. Trotzdem ist die Kamera noch durch die Füße des Landegestells in einer Art Überrollkäfig geschützt.

 

Die Ausleger baue ich unabhängig vom Multicoptercorpus auf. Wie es DJI vorsieht, versehe ich die Ausleger mit den passenden Motornamen und vorbestimmten Drehrichtung. Das schafft Sicherheit und verhindert später auch Fehler beim anbringen der Propeller. Die richtige Drehrichtung überprüfe ich vor dem Verschrumpfen der Lötstellen und ohne Propeller! Die Regler passen ohne Probleme in die Rohre.

 

Im nächsten Schritt verschraube ich die Ausleger provisorisch auf der oberen Centerplate. Die Ausleger können sich so während des Anlötens auf dem Stromverteilerboard nicht bewegen. Die Lötstellen können ohne Bewegung erkalten. Dies gewährleistet einen langfristigen Halt. Zwischen Akku und Stromverteilerboard kommt noch das bewährte Uni Sens-E von SM Modellbau. Diese kleine Sensoreinheit liefert Telemetriewerte wie beispielsweise: Höhe, Akkuspannung und Stromaufnahme.

 

Bevor jedoch die beiden Grundplatten miteinander verschraubt werden, wird alles angeschlossen. Die Reglersignalkabel, werden im Naza eingesteckt und mit einem sparsamen Streifen Heißkleber gegen Vibrationen gesichert. Das selbe mache ich auch mit den Patchkabeln mit denen ich Empfänger und Naza verbinde. Alle Kabelverbindungen sollten nochmals kontrolliert werden, wer hier einen Fehler macht, schraubt eine halbe Stunde nur um diesen zu beheben. Hier wird einer meiner Hauptkritikpunkte deutlich, der Rahmen ist, was Erreichbarkeit und Wartungsfreundlichkeit angeht, völlig unpraktisch konzipiert.

 

Sobald die beiden Platten aufeinander gesteckt sind und mit von oben durchgesteckten Schrauben gesichert sind, geht es an das Verschrauben. Zuerst drehe ich die Schrauben in die Gewinde der Plastikabstandshalter, dann sind die Auslegerrohr-Klemmungen an der Reihe. Erst setze ich die selbst sichernden Muttern von Hand an, um sie anschließend mit einer Nuss fest zu ziehen. An manchen Stelle ist der Einsatz einer Nuss nicht möglich und so musste ich mir mit einer Spitzzange behelfen, da ich so kleine Gabelschlüssel leider nicht besitze. Reihum ziehe ich die Schrauben langsam immer weiter an. Da die Motorhalterungen nicht auf die Rohre geklemmt sind, sondern durch eine 1x1mm große Mini-Plastiknoppe gegen Verwinden “geschützt“ sind, muss man vor dem Anziehen jeden Ausleger exakt horizontal Ausrichten.

Jetzt ist eigentlich alles fertig. Nur die Haube muss noch für meine Zwecke angepasst werden. Ich platziere die LED ganz hinten am Copter, dass hat den Vorteil, dass sie beim Startvorgang auch sichtbar ist. Allerdings muss dafür im hinteren Teil der tiefgezogenen Haube etwas vom schwarzen Lack entfernt und anschließend matt durchsichtig geschliffen werden.

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Der Erste Hüpfer… und die Enttäuschung

Nachdem alles rudimentär eingestellt war, neige ich vor Erstflügen dazu, den Multicopter angebunden einige Minuten laufen zu lassen. Natürlich im Freien und mit reichlich Sicherheitsabstand. In den ersten Minuten treten häufig Produktions oder Aufbaufehler zum Vorschein, stehend am Boden passiert bei einem derartigen Ausfall weniger als wenn man sich bereits in die Luft wagt.

Ich monierte einen 3S 4000mAh Akku und entsicherte die Motoren, wie für das Naza V2 üblich, über die Knüppelanschläge. Alle Motoren liefen sauber an. Das Naza ist bei einem angebundenen Copter natürlich völlig machtlos, was für diesen Zweck aber egal ist. Langsam lege ich den Knüppel auf den Tisch. Darauf höre ich ein deutliches Knacken. Sofort breche ich ab,in der Hoffnung das nichts beschädigt ist.

Bei der anschließenden Fehlersuche stellte sich heraus, dass ein Großteil der Plastikfassungen an der dünnsten Stelle gebrochen waren. Im Internet sind keine originalen Ersatzteile zu finden, also bestellte ich ein ähnliches Bauteil aus Aluminium.

Durch den unpraktischen Aufbau des Rahmens, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit bis die Plastikschellen durch die stabilere Aluvariante ausgetauscht waren. Zu allem Pech waren die bestellten Klemmen einen Zehntel Millimeter zu groß, sodass die Ausleger erst hielten nachdem ich diese mit einer Lage Gewebeband umwickelt hatte.

Nun stand der zweite Versuch an, ich wollte wieder erst einen trocken Versuch angebunden auf dem Gartentisch durchführen Die Motoren starteten wieder ohne Zicken und liefen fast flüster leise mit den 11 Zoll Propeller. Nach ca. vier Minuten, mit 50 Prozent Gas, ging ich zu schnellen Lastwechseln über. Beim zweiten abrupten Vollgas geben wie man es bei einem Abfangmanöver tun würde, der nächste Schock: einer der Motorhalter gab nach. Der Propeller zerschellte am Auslegerrohr und flog in mehreren Teilen umher. Der Motor stoppte an den Kabel hängend.

FAZIT

Nach diesen Pleiten siegte die Vernunft. Der Kong Copter Rahmen steckt voller Mängel, die sich nicht dauerhaft beheben ließen. Es gab keine Möglichkeit den Quadrocopter wartungsgünstig aufzubauen. Ein hartes Aus für so viel Mühe und Arbeitszeit.

Natürlich gibt es reichlich fliegende Exemplare auf Youtube oder in einschlägigen Foren zu finden. Vielleicht hatten die Piloten mehr Glück bezüglich der Qualität. Natürlich spielt auch die Dimensionierung des Antriebs eine nicht unerhebliche Rolle.

Für meinen Geschmack erfüllt der Rahmen weder die nötigen Kriterien, um als alltagstauglicher, besonders leichter oder robuster Multicopter Rahmen zu gelten. Er fällt unter die Kategorie optischer China-Leckerbissen.

Am Ende des Tages bleibt dennoch eine gute Nachricht: Alle Komponenten passen in den SkyHero Mini.

Es wäre zu schade die Schmuckstücke von TigerMotors nicht zu fliegen!

Übrigens für alle Einsteiger: Schaut Euch auch mal die Quadrocopter Bauanleitung an


Über Sebastian Haas 7 Artikel
Von Kindesbeinen an zogen Luftfahrzeuge und technische Wunder meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich. Von der Flächen-Fiegerei über die Fotografie geleitet kam ich zum Trend Multicopter. Die unzähligen Möglichkeiten dieses Themenkomplexes faszinieren mich jedes Mal aufs Neue.

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